Der Beginn

Juni 2012:
Am 23. Juni 2012 zeigt die Waage ein Gewicht von 111,1 Kilogramm an. In den letzten gut zehn Jahren habe ich somit zirka 30 Kilogramm zugenommen, jetzt muss etwas passieren. Die ersten guten Vorsätze werden gleich in die Tat umgesetzt, keine süße Coca Cola mehr (der Tageskonsum liegt bei ca. 2,5 Litern) und der Beginn mit sportlichen Aktivitäten. Zielsetzung ist eine Gewichtsreduktion um 20 Kilogramm in den nächsten 12 Monaten und die Fähigkeit, mindestens fünf Kilometer am Stück in unter 45 Minuten zu joggen. Am 23. Juni starten die sportlichen Aktivitäten mit 12 Minuten auf dem Hometrainer (spinning bike), bei ganz leichter Widerstandsstufe (ca. 50 Watt). Bis Ende Juni werden täglich zwischen 10 – 12,5 Minuten auf dem Hometrainer absolviert.

Juli 2012:
In den ersten zehn Tagen wird die Widerstandsstufe leicht erhöht und die abendlichen Trainingseinheiten betragen 15 Minuten. Die Gewichtsreduktion ist kaum messbar (gut ein Kilogramm). Bedingt durch einen Urlaub wird das Trainingsprogramm unterbrochen, teilweise kompensiert durch Spaziergänge. Nach dem Urlaub habe ich nahezu wieder das ursprüngliche Gewicht. In den letzten zehn Juli Tagen wird das Training wieder konsequent aufgenommen und zusätzlich die Nahrungsaufnahme etwas reduziert.

August 2012:
In der ersten Monatshälfte wird die tägliche „spinning Einheit“ auf 20 Minuten erhöht, ebenfalls erhöht wird auch die Widerstandsstufe beim „spinning-Rad“. Als Motivationshilfe melde ich mich in London zu einem 10 Kilometer Stadtlauf an, der Start ist für den 14. Juli 2013 geplant. Mitte August beträgt mein Gewicht zirka 108,5 Kilogramm. Das Programm wird konstant fortgesetzt, jedoch ohne signifikante Gewichtsreduktion. Am 27. August versuche ich die erste Jogging-Einheit zu absolvieren, mein Gewicht ist aber einfach noch zu hoch. Aus dem Joggen wird ein strammer Spaziergang von gut 35 Minuten.

September 2012:
In der ersten September Woche werden auf dem „spinning-Rad“ die täglichen Einheiten, bei wiederum leicht erhöhter Widerstandsstufe, auf 20 bis 35 Minuten ausgebaut. Am Wochenende gibt es zusätzlich „stramme Spaziergänge“ von 20 bis 40 Minuten. Aus gesundheitlichen Gründen kann in der zweiten Monatshälfte das Training nur rudimentär ausgeübt werden, mein Gewicht liegt zum Monatsende bei gut 106 Kilogramm. Ende September laufe (walke) ich zwei Laufeinheiten über jeweils fünf Kilometer am Stück.

Oktober 2012:
Am 03. Oktober nehme ich an einem fünf Kilometerlauf in Herne teil, leider muss ich dem Anfangstempo Tribut zollen und gebe nach zirka 3,5 Kilometern auf. Aufgrund der anhaltenden gesundheitlichen Probleme gibt es nur tägliche Spaziergänge zwischen 20 und 40 Minuten. Am 19. Oktober sind dann alle gesundheitlichen Probleme ausgestanden, am 20. Oktober zeigt die Waage ein Gewicht von 101 Kilogramm an. Die Gewichtsreduzierung resultiert jedoch im Wesentlichen aus meiner Erkrankung. Am 22. Oktober fliege ich nach Barcelona wo ich mir auf dem Weg zum Fußballstadion, in den Abendstunden des 23. Oktober, das rechte Sprunggelenk dreifach breche und mir zusätzlich sämtliche Bänder und Kapseln reißen. Nach einem mehrstündigen Krankenhausaufenthalt in Barcelona fliege ich in den Mittagsstunden des 24. Oktober wieder zurück nach Deutschland. In den späten Abendstunden des 24. Oktober begebe ich mich in das Bergmannsheil Bochum. Nach diversen Röntgenaufnahmen werde ich in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober „notoperiert“ und es wird mir ein externer Fixateur angelegt. In einer weiteren Operation wird der Fixateur am 26. Oktober neu ausgerichtet. Durch den Schweregrad der Verletzung ist ein weiterer Krankenhausaufenthalt erforderlich, leichte Morphium Einheiten machen die Schmerzen erträglich.

November 2012:
Am 05. November wird die Faktur per Osteosynthese behandelt. Die Bruchstellen werden mit zwei Titan Implantaten (Platten) und insgesamt 12 Schrauben versorgt. Am 10. November werde ich aus dem Bergmannsheil entlassen. In den nächsten Wochen ist absolute Bettruhe verordnet, der Sport muss ruhen. Statt Morphium gibt es jetzt starke Schmerzmittel, diese werden mich in den nächsten Wochen sehr eng begleiten ebenso wie seit der Operation ein Vacoped Stiefel.

Dezember 2012:
Mit starken Schmerzmitteln wird weiterhin das Bett gehütet, am 17. Dezember –sechs Wochen nach der finalen Operation- steht die erste Nachuntersuchung im Bergmannsheil an. Die Prognose ist niederschmetternd! Die Bruchstellen sind nur rudimentär verheilt, eine weitere Operation kann nicht ausgeschlossen werden. Es wird eine weitere Bettruhe von mindestens fünf Wochen verordnet. An sportliche Aktivitäten –geschweige denn laufen oder joggen- ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Die Prognosen für eine „Laufkarriere“ erhalten einen deutlichen Dämpfer, ob joggen überhaupt jemals wieder möglich sein wird bleibt abzuwarten – gilt aber als eher unwahrscheinlich. Ab Ende Dezember bekomme ich die ersten Termine für Krankengymnastik und Bewegungstherapie.

Januar 2013:
Es herrscht weiterhin absolute Bettruhe, mit einer Ausnahme, am 21. Januar steht ein weiterer Termin zur Nachuntersuchung im Bergmannsheil an. Die Bruchstellen sind zwar etwas besser verheilt, jedoch werden weitere vier Wochen Bettruhe angeordnet. Eine weitere positive Nachricht, gegen Ende Januar können die Schmerzmittel auf ein Minimum reduziert werden.

Februar 2013:
Nach einer Woche ohne Schmerzmittel habe ich am 13. Februar einen Termin bei dem Sportmediziner und Orthopäden Dr. Dietrich in Dortmund. Ab dem 16. Februar beginne ich mit Gehhilfen und dem Vacoped Stiefel erste richtige Gehversuche. Gleich im Anschluss gibt es die ersten zaghaften Gehversuche auf dem Balkon, am Folgetag traue ich mich erstmals richtig auf die Straße. Nach zirka 5 Minuten bin ich jedoch mit meiner Kraft am Ende. Trotz starker Schmerzen bei den Gehversuchen gibt es durchaus erste kleinere Erfolge, dafür sind aber wieder Schmerzmittel erforderlich. Am 23. Februar stehe ich erstmals wieder auf der Waage, sie schlägt bei 84,1 Kilogramm an. Kein Wunder, die Nahrungsaufnahme in den letzten Wochen war eher gering und gesundheitsbewusst, zusätzlich sind meine Muskeln auf ein Minimum geschrumpft. In den nächsten Tagen versuche ich zweimal täglich einige Schritte auf der Straße zu gehen, der Erfolg bleibt nicht aus. Am 26. Februar kann ich meinen Vacoped Stiefel ablegen und erste Schritte mit einem MBT Schuh und Gehhilfen machen.

März 2013:
Mit kleinen Schritten nähere ich mich dem großen Ziel – endlich wieder ohne Gehhilfen zu laufen. Am 08. März beginne ich mit dem richtigen Reha-Training, mit leichtem Radfahren (spinning Rad) beginne ich – nach knapp fünf Minuten bei zirka 50 Watt bin ich mit meiner Kraft am Ende. Ab dem 11. März gibt es dann täglich eine „Radeinheit“, zusätzlich trainiere ich zuhause meine Muskulatur. Die Erfolge kommen recht schnell. Am 15. März gelingen mir die ersten zwei, drei Schritte ohne Gehhilfen, ich muss mich jedoch bei den Schritten noch leicht abstützen. Am Folgetag mache ich bereits die ersten fünf bis acht Schritte völlig freihändig und wiederhole es am Abend nochmals. Das Reha Programm wird langsam gesteigert.

April 2013:
Am 02. April weist die Waage ein Gewicht von 83,1 Kilogramm aus. Das Fahrradfahren im Rahmen der Reha wird intensiv fortgesetzt, ebenso die Laufübungen. Beim Termin am 08. April ist Dr. Dietrich bei der Untersuchung mit den Erfolgen sehr zufrieden. Am 14. April wage ich mich erstmals ohne Gehhilfen aus dem Haus, vorsichtshalber sind die Gehhilfen aber als moralische Unterstützung noch mit dabei. Am 15. April bei einer Nachuntersuchung im Bergmannsheil sind die Ärzte sehr zufrieden, sportliche Aktivitäten und weitere Reha Maßnahmen sollen das Sprunggelenk stärker mobilisieren. Trotz kleinerer Rückschläge in der zweiten Aprilhälfte (aufgrund der starken Trainingsbelastung) verläuft die Reha sehr gut.

Mai 2013:
Die kontinuierliche Belastungssteigerung zeigt ihre Wirkung, in den Spitzenzeiten ab dem 06. Mai liegt die Belastungsintensität bei drei bis vier Stunden täglich. Insbesondere das Gehen und die „Laufleistung“ werden jetzt intensiviert. Es schleichen sich jedoch immer wieder Gelenkschwellungen und Schmerzen mittlerer Stärke ein. Die Belastungstests am 15. und 16. Mai verlaufen positiv, meine Fitness dürfte bei zirka 80 % liegen. Die Rückkehr in den Beruf ist für den 20. Mai geplant, der Termin wird auch gehalten. Die ersten Tage mit Job und den abendlichen Trainingseinheiten sind sehr hart, in der letzten Mai Woche werden die täglichen Einheiten weiter intensiviert.

Juni 2013:
Nach intensiven Vorbereitungen und Training in den vergangenen Wochen steht am 01. Juni mein erster Volkslauf auf dem Programm. Ich fühle mich gut gerüstet und das 5 Kilometer Walking beim Herdecker Citylauf soll die erste Belastungsprobe in „freier Wildbahn“ sein. Auf dem Laufband hatte ich in den letzten Tagen bereits zweimal die 5 Kilometer in knapp einer Stunde absolviert. Unter guten Bedingungen erreiche ich in Herdecke das Ziel nach 42:44 Minuten. Negative Reaktionen im Sprunggelenk entstehen nicht. Motiviert durch die gute Leistung nehme ich am 06. Juni am 5 Kilometer „Königs10er“ Lauf in Vinxel/Königswinter teil. Bei sehr warmen Temperaturen benötige ich für den Zieleinlauf 50:24 Minuten. Eine Woche später, am 16. Juni, steht das „Tengelmann Walking“ über ebenfalls 5 Kilometer an, hierfür benötige ich 46:04 Minuten. Am darauffolgenden Wochenende wird die Leistung weiter intensiviert. Am 21. Juni laufe ich in Garbsen bei Hannover 2,6 Kilometer in 22:14 Minuten, am 23. Juni in Berlin Steglitz den Intersport Olympia Lauf über 5 Kilometer in 47:18 Minuten. Ohne negative körperlichen Reaktionen bzw. Schwierigkeiten im Sprunggelenk wird die Leistung in den nächsten Tagen nochmals intensiviert. Am Abend des 25. Juni walke ich am Möhnesee den Jahrhundertlauf über 15 Kilometer. Das Ziel erreiche ich in 02:16:23 Stunden. Ich fühle mich sehr gut, wichtig ist mir jetzt die Stabilisierung der Leistung. Am 25. Juni 2013 zeigt die Waage ein Gewicht von 84 Kilogramm an. In einem Jahr konnte sich somit mein Gewicht um über 27 Kilogramm reduzieren, bei gleichzeitigem Muskelaufbau und der Erlangung einer gesunden Grund-Fitness. Aufgrund der Sprunggelenksverletzung ist zwar das Joggen noch nicht/nicht mehr möglich, das Walken in einem „ordentlichen“ Tempo aber jederzeit. Was die Zukunft bringt werden wir sehen, die Motivation bleibt aber weiterhin hoch.

Fazit nach einem Jahr:

Trotz schwieriger und teilweise widriger Rahmenbedingungen habe ich mein Ziel der Gewichtsreduktion um mindestens 20 Kilogramm erreicht, sogar deutlich übertroffen. Auch die schwere Sprunggelenksverletzung konnte mich bei meinem Vorhaben nicht stoppen und hat mich zusätzlich motiviert noch härter an meinem Vorhaben zu arbeiten. Mit einer gewissen Grunddisziplin und Spaß an der Sache kann man mehr erreichen als man vorher geglaubt hat. In diesem Sinne.

 Mein besonderer Dank gilt
dem Team im Bergmannsheil Bochum,
Herrn Dr. med. Dietrich,
dem Reha Team Funk
sowie
meinen Eltern
und Freunden
die mich während und nach meiner Sprunggelenksverletzung optimal betreut haben.

Vielen Dank!!!

Glasgow / Schottland, 01.09.2012

Im Krankenhaus Bergmannsheil in Bochum, 01.11.2012

 

Hinterlasse eine Antwort